Nach den bisherigen Ankündigungen übernimmt die nächste Version von Windows Server nicht nur die GUI-Änderungen des Clients (allen voran das wiederauferstandene Startmenü) und beschränkt sich nicht auf die übliche Produktpflege, sondern bringt auch einige weitreichende Neuerungen. Dazu zählen besonders die Implementierung einer Container-Technik, wie man sie von Solaris oder Linux schon länger kennt, die Integration des zuvor eigenständigen Multipoint-Servers in die Editionen Standard und Datacenter sowie einen erneut deutlich aufgewerteten Hypervisor.

Container dienen wie virtuelle Maschinen der Isolierung von Workloads. Während VMs dieses Ziel durch Hardware-Abstraktion erreichen und für Anwendungen jeweils eigene Installationen des Betriebssystems bereitstellen, teilen sich Container den Kernel einer gemeinsamen OS-Instanz. Sie sind daher im Vergleich zu VMs leichtgewichtiger und stellen geringere Ressourcen-Anforderungen. Allerdings erreichen sie keine so hohe Isolierung von Workloads und es fehlt ihnen derzeit eine vergleichbar leistungsfähige Infrastruktur, wie sie auf Basis eines Hypervisors bereitgestellt werden kann (vMotion, Loadbalancing, virtuelle Netzwerke, etc.). VMware argumentiert daher für die Ausführung von "container-isierten" Betriebssystemen innerhalb von VMs.

Besonders spannend wurden Container zusammen mit einem portablen Deploy-Mechanismus, wie er von der Firma Docker entwickelt wurde. Er erlaubt das Erstellen von Packages, die neben dem Programmcode auch Metadaten zur automatischen Einrichtung der Container-Umgebung enthalten. Die für Windows Server 10 angekündigte Container-Technik implementiert auch die Docker-APIs, so dass sich Applikationen auf die gleiche Weise automatisiert in Container verteilen lassen wie unter Linux.

Siehe dazu: Alternative zu VMs: Windows Server 10 unterstützt Docker-Container

Nicht ganz überraschend kommt die Integration des Multipoint-Servers als Rolle in das Hauptprodukt, nachdem Microsoft schon die exklusiven Funktionen von Windows Server Essentials in Windows Server 2012 R2 inkorporiert hatte. Dieser Schritt wertet das Betriebssystem für den Einsatz in Bildungseinrichtungen oder für den Einsatz in kleinen Firmen bzw. in Außenstellen auf. Windows Server 10 erhält auf diesem Weg neben didaktisch sinnvollen Features auch neue Client-Optionen.

Siehe dazu: Remote Desktop Services in Windows Server 10: Multipoint-Server als Rolle

Seit Windows Server 2008 ist Hyper-V jene Komponente des Systems, die der schnellsten Entwicklung unterliegt. Dies liegt ganz einfach daran, dass Microsoft nach seinem späten Einstieg in die x86-Virtualisierung gezwungen war, seinen technischen Rückstand gegenüber dem Marktführer VMware aufzuholen. Auch das nächste große Release des Betriebssystems bringt daher eine Reihe von Veränderungen für Hyper-V. Dazu zählen die Fortentwicklung des rudimentären Storage-QoS aus WS 2012 R2 oder Snapshots für den produktiven Einsatz 

Siehe dazu: Neu in Hyper-V 2015: binäres VM-Format, NIC-Hot-add, Production Snapshots

Eine Übersicht über sonstige Neuerungen in Windows Server 2015 findet sich in diesem Beitrag.