Dr. Wiesner (61), Geschäftsführer der MWR GmbH im Großraum Stuttgart, empfängt einen Bewerber. Im Grunde ist längst alles in trockenen Tüchern, aber weil es um eine Führungsposition geht, will Wiesner das abschließende Gespräch unter vier Augen selbst führen. Tobias Schellke, ein langer, dünner Mann Mitte dreißig, kommt herein.

Wiesner: Ah, Grüßgott, da sind Sie ja, kommen Sie nur herein. Was möchten Sie trinken? Kaffee? Wasser? (gibt Schellke die Hand)

Schellke: Ja, guten Tag. Nein danke, aber ich hatte schon Kaffee.

Wiesner: Sie kommen mir irgendwie bekannt vor, sind wir uns schon … Hannover Messe? Nein? Egal, lassen Sie uns gleich in medias res gehen. Ihre Unterlagen hab ich ja (er hält eine dünne schwarze Mappe hoch). Darauf will ich jetzt gar nicht mehr eingehen, das sieht ja alles blendend aus, gar keine Frage, tipp topp. Mich interessieren heute Ihre Ansichten zu etwas Grundsätzlichem: Wie meinen Sie, wie sieht der Arbeitsplatz der Zukunft aus?

Schellke: (überrascht) Der Arbeitsplatz der Zukunft? Nun, ich bin überzeugt, Herr Dr. Wiesner, dass sich auch in mittelständischen Unternehmen hier viel verändern wird. Bei uns zeichnet es sich ja schon ab, dass sich die traditionellen Arbeitsstrukturen allmählich auflösen; der Arbeitsplatz der Zukunft muss kein fester Ort sein … die Mitarbeiter arbeiten oft schon in projektbezogenen Teams, andere im Homeoffice, wieder andere flexibel als Freelancer …

Wiesner: Also ich könnte Ihnen stundenlang zuhören. Das klingt alles ganz wunderbar. Nur noch eine abschließende Frage: Warum sucht ein Mann wie Sie einen neuen Job?    

Schellke: (irritiert) Aber … Herr Dr. Wiesner, ich suche doch gar keinen neuen Job.

Wiesner: (überrascht) Nicht? Aber Sie haben sich doch beworben (er schlägt die Mappe auf) … Herr Müller … als neuer Personalleiter.

Schellke: Oh, das ist ein Missverständnis – mein Name ist Schellke.

Wiesner: Aber …(steht auf und schaut in seinen alten Filofax) … da steht doch: 15 Uhr Herr Müller …

Schellke: Sorry – es ist erst 14 Uhr. Ich bin der technische Leiter in Pforzheim.

Wiesner: In Pforzheim? Na, das trifft sich gut, da haben wir auch eine Niederlassung.

Schellke: Eben. Genau dort. Als technischer Leiter. Ich wollte mit Ihnen heute unser neues Servicekonzept durchsprechen. Ich hatte Ihnen ein Exposé geschickt.

Wiesner: … und Sie sind mir gleich so bekannt vorgekommen. Ich wusste es doch! Egal. Pforzheim oder nicht. Der Arbeitsplatz der Zukunft muss ja kein fester Ort sein, nicht wahr. Ihre Unterlagen sind jedenfalls (er hält noch einmal die Bewerbermappe hoch) … allererste Sahne. Also: Wann können Sie anfangen? Was haben Sie zuletzt verdient? Egal, ich leg fünfzehn Prozent drauf! Ist das ein Wort? Der Hammer, gell? Was sagen Sie dazu?

Schellke: Das ist die Arbeitswelt der Zukunft! Echt der Hammer.